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My take on My take on me

20180121_141246Kalt und Sonnenschein. Jetzt fehlt nur noch der Schnee. Bei uns hat es, im Gegensatz zu vielen anderen Regionen, leider nicht geschneit. Aber auch ohne weiße Pracht ließ es sich hervorragend mit einem guten Buch den Sonntagnachmittag versüßen. Mit lecker selbstgebackener Mango-Kokos-Kugel in Limetten-Cream Cheese Frosting und eben solch ansehnlichem Lesestoff war der Tag gerettet.

Zuerst möchte ich mich nochmal bei allen Mamas und Papas, die bei der Feuerwehrmannverlosung mitgemacht haben, bedanken, und darum bitten, nochmals euren E-Mail Posteingang zu checken, da sich ein Gewinner bisher leider noch nicht zurückgemeldet hat. Falls sich der zweite Gewinner bis zum 29.1.2018 nicht bei mir melden sollte, verlischt der Gewinnanspruch und das Buch geht erneut in die Verlosung für alle anderen, die am Gewinnspiel teilgenommen hatten.

Lesestoffmässig gibt es heute für alle Mamas und Papas einen trip down nostalgia lane. Es geht zurück in die 80er, mit zerissenen Jeans, Lederbändchen und Synthie-Pop. Das waren noch Zeiten, als alle Mädels sehnsüchtig vorm Fernseher auf die Formel Eins gewartet haben, um Morten Harket von a-ha entgegenzuschmachten. Oder sehnsüchtig auf den Donnerstag jeder Woche, um mit einer neuen Ausgabe der Bravo mit news und vor allem Postern und Stickern der Lieblingsband versorgt zu werden. Ja, ich gehörte auch dazu, was soll ich sagen? Und deswegen habe ich mich an Weihnachten über ein ganz besonderes Geschenk unterm Baum gefreut: My take on me, Morten Harkets Biographie.

In 30 Kapiteln erzählt der Sänger von seiner beschützten, musikalischen und naturverbundenen Jugend in Norwegen, der Entdeckung verschiedener Musikrichtungen, interessanterweise seiner Abneigung gegenüber Lehrern (die sogar ich im Übrigen vollumfänglich nachvollziehen kann!), und wie er schließlich auf seine Bandkollegen traf. Er vermittelt einen Eindruck von den Schwierigkeiten als norwegische Band im London der 80er Jahre Fuß zu fassen und sich von all den anderen Bands und ihren Demotapes abzusetzen, von den Rückschlägen und versifften Wohnungen für die man kaum die Miete aufbringen konnte, als auch über Begegnungen die für den Durchbruch zu guter Letzt wichtig waren.

Als Leser erfährt man so einiges über die Entstehung verschiedener Hits der Band, allem voran natürlich Take on Me, Hunting High and Low und Stay on These Roads, sowie welche Meilensteine für die Band jeweils mit der Veröffentlichung einhergingen. Sehr interessant fand ich auch die Kapitel über das Verhältnis von Morten zur Presse, über a-has anfänglichen Erfolg in Amerika und die damals notwendige Entscheidung zwischen den Märkten Europa/Asien und USA (ist ja heute in unserer vernetzten Welt irgendwie unvorstellbar!), sowie die Erzählungen über die unterschiedlichen Reaktionen der Fans in verschiedenen Ländern. Was stellt es mit einem Künstler an, wenn er permanent von kreischenden Teenies verfolgt wird? Wie schwierig ist es für Vollblutmusiker, in Interviews nicht als Künstler sondern als teen sensation wahrgenommen zu werden? Wo schöpft man neue Kraft und findet Ruhe?

All das und vieles mehr verrät Morten in seiner wirklich lesenswerten Biographie. Seite um Seite lässt er uns auf charmante Weise an seinem Leben bis Mitte der 90er Jahre mit Höhen und Tiefen teilhaben. Erfrischender Stil, wenn auch teilweise leicht redundant, aber das sei an dieser Stelle ob des Brückenschlagens für die Leser verziehen. 256 Seiten liefern einen angenehmen Lesenachmittag mit spannenden Details, einigen Lachern und herrlichem Bildmaterial aus Mortens Familienalbum, zum Beispiel eindrucksvolle Bilder aus Kindertagen, seiner Jugend (mit langen Haaren!) und Backstagebilder von diversen Touren. Am Schönsten finde ich jedoch Mortens Tintenzeichnung einer Welt aus Orchideen My little orchid-world (1985). Wunderbar!

Summa summarum ein ausgezeichnetes Buch, welches den Leser auf eine Zeitreise in die Musikwelt der 80er und 90er Jahre mitnimmt. Von Kapitel zu Kapitel merkt man regelrecht, wie neben dem Sänger doch eher die Person Morten Harket in den Vordergrund rückt, und das bleibt auch nach dem Beenden des Buches in angenehmer Erinnerung. Ebenso wirft die Biographie einen interessanten Blick hinter die Kulissen des Anfangserfolgs einer der besten Bands dieser Zeit sowie auf die Machenschaften des Musikgeschäfts seinerzeit. My take on me (ISBN 978-3-8419-0424-9) ist 2016 im Edel Books Verlag erschienen und nicht nur für Fans sehr empfehlenswert.

Die großartige Umschlagillustration wurde 1985 von Rhino Entertainment Company (Warner Music Group Company) erstellt und passt hervorragend zu einem Buch welches durchaus auch den Titel Living a Boy’s Adventure Tale haben könnte.

Happy Tuesday!

 

 

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Ich wollt ich wär ein Kaktus

 

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© Planet / Thienemann-Esslinger Verlag

Das hätte viele Vorteile. Ich kann mir vorstellen, das einige von euch genauso denken. Immer auf Abwehr programmiert, bloß nichts an sich ranlassen. Größtenteils ist dieses Verhalten nachvollziehbar, vor allem bei Teenies. Andererseits ist es aber auch schade, denn man verpasst ja auch so einiges.

Mina Teicherts neues Werk Ich wollt ich wär ein Kaktus nimmt eben diese Idee auf, und zeigt, dass es sich lohnt, ab und an mal weniger Stacheln aber dafür etwas mehr Herz und Verständnis zu zeigen. Letzte Woche wurde mir das wunderbare Kinderbuch dankenswerterweise vom Thienemann-Esslinger Verlag und netgalley zur Verfügung gestellt, und es hat mich direkt begeistert.
Eine Vielzahl an Themen, die Jugendliche heutzutage beschäftigen, sind wunderbar umgesetzt worden. Vom gefühlt-peinlichen Neu-Verliebtsein der Eltern und dem damit einhergehenden Ablehnungsgebahren des neuen Partners gegenüber, bis zum Schulwechsel inklusive Mobbing, dem Mut einen eigenen Standpunkt zu vertreten, sowie dem ersten eigenen Verliebtsein ist eine recht große Bandbreite an Themen von Mina Teichert spannend in der Geschichte verwoben worden. Von der Stadt aufs Land ziehn? Und dazu noch zur esoterisch angehauchten Oma? Geht ja gar nicht, denkt sich Lucinda, die wie jeder typische Teenie mehr in sich gekehrt denkt anstatt offen zu sprechen. Zu lesen, wie sie sich letztendlich doch noch mit ihrer Kakteensammlung (Erwin, Louise und Co) auf dem Land einlebt, und welch wilde Erlebnisse mit Jo (neuer Freund ihrer Mutter), sowie mit ihren neuen Mitschülern damit einhergehn, bereitet auch erwachsenen Lesern eine Menge Spaß!

Stilistisch sowie auch im Layout sehr modern und ansprechend gestaltet. Ich verdanke dem Buch mein momentanes Lieblingswort „sumsimitpo“ und lustigerweise einen Albtraum (Erwins Vorgänger! 😅).

Ich wollt ich wär ein Kaktus (ISBN 978-3522505925) ist ein hervorragendes Geschenk für in Abwehrhaltung verharrende, „stachelig-piksende“ Kinder oder Teenager im eigenen Haushalt oder im Bekanntenkreis. Die über 192 Seiten erzählte Geschichte ist genau das, was das großartig gestaltete Cover verspricht: erfrischend, originell und absolut lesenswert!

Empfohlen ab 10, und von mir ans Herz aller Eltern gelegt, die mit angehenden Teenagern ein Patchworkfamilien-Projekt wagen.
Erhältlich ab heute, dem 16.01.2018.