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Nasebohren ist … schön!

 

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Ich weiss,  ganz besonders hübsch anzusehn ist es nicht. Und was dabei herauskommt ist auch meistens ziemlich eklig. Aber dennoch macht es irgendwie so ziemlich jeder. Endlose Male habe ich nun schon in der Bahn adrette Damen und Herren beobachtet,  die mit beeindruckend selbstloser Hingabe und auch scheinbar zeitlich unbegrenzt in der Nase bohrten.

Und wer kennt nicht den Schreckmoment, wenn man an einer roten Ampel einen Blick ins Nachbarauto wagt, und der Fahrer nicht genug Finger zum Popeln in seiner Nase unterbringen kann? Aber was erzähl ich euch: alles Klassiker.

Es ist also unter Erwachsenen ein ziemlich weit verbreitetes Phänomen. Aber um es unseren Kindern zu verbieten strengen wir uns mit viel Flunkerei mächtig an, und erspinnen die irrwitzigsten Gründe warum es für sie verboten oder gar gefährlich ist.

Mitte der neunziger Jahre schon veröffentlichte Daniela Kulot im Thienemann Verlag Nasebohren ist schön, aber ich Schnarchnase habe es im Frühjahr erst –eher zufällig– in der komplett neu illustrierten Fassung kennengelernt. Ein schöner und bereichernder Zufall, der schon für viel Gekicher und Spass gesorgt hat.

Worum geht’s? Der Elefant, der Frosch und die Maus fragen sich, warum denn das Naseboren verboten sei und hören so manch schaudrig-gruselige Geschichte über Verletzungen, die das mit sich so einherbringen kann. Werden die drei Freunde nun nie wieder in der Nase boren? Und was haben die Großeltern damit zu tun?

Niedlich und farbenfroh illustriert nehmen uns die liebevoll gezeichneten Charaktere mit auf ihre kleine Exkursion. Schöne Details in der Bebilderung begeistern sogar schon die ganz Kleinen. Und neben diesen großartigen Illustrationen ist ein tolles, superlanges Wort für kleine Sprachlerner mein heimliches Highlight. Es hat was mit der Nasenspitze zu tun und ist wahnsinnige 27 Buchstaben lang!

Ein fröhlich-freches Buch, das den Erwachsenen mit einem zwinkernden Auge den Spiegel vorhält. Mit viel Witz und Herz für kleine Detektive, die gerne den Dingen auf den Grund gehn.

Sehr empfehlenswert. Ein toller Lesespass ab 2 Jahren mit wunderschönen Illustrationen,  und einem lustigen Zeitvertreibsextra zum Schluss.

 

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Das Grauen der Buchliebhaber hat einen Namen: Eselsohr!

 

Eines ist mal sicher: Eselsohren zum Seitenmarkieren gehen gar nicht! Eine ganz schlimme Unart. Es gibt eine solch große Auswahl an wunderschönen Lesezeichen sowie Gegenstände die als solche genutzt werden können, dass mir der Seitenknick wirklich unverständlich bleibt.

Generell hab ich ja schon ziemlich viele verschiedene Arten von Lesezeichen benutzt: von der Metro-Monatskarte, über diverse Kassen- und Notizzettel, zu presidential bookmarkers aus Seide, und während des gesamten Studiums mein Lieblingslesezeichen von Books & Books, Inc. On The Beach, die in der schönen Lincoln Road in Miami Beach seit 1989  Bücher verkaufen.  Den Buchladen gibt es auch 2017 noch, und das Lesezeichen hat mich auch bis heute immer treu begleitet. Denn ja, zusätzlich zu den Massen an E-books lese ich mit großer Freude auch weiterhin die gedruckten Ausgaben vieler Bücher!

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Ab jetzt wird sich mein treues amerikansiches Lesezeichen jedoch die Aufmerksamkeit mit zwei neuen wunderschönen Bändchenvarianten von Haba teilen müssen. Sehr gut verarbeitetes Holz in gewohnter Haba Qualität und wirklich sehr hübsch anzusehn. Neben der Pilz- und Herzform gibt es auch noch einen sehr niedlichen Glücksklee, der es aber leider nicht mehr auf das Foto geschafft hat. Er wurde direkt verschenkt und bereitet nun einem ganz lieben Menschen beim Lesen ’ne Menge Freude!

Sehr süß, sehr nützlich und hervorragend geeignet als Geschenk für Erstleser und taktile Erwachsene, die gerne noch — so wie ich manchmal — in griffigen, gedruckten Büchern stöbern.

 

 

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Alles Käse?

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Ist der große, runde Mond etwa ein riesiger, löchriger Käse? Und wenn ja, wie gelangt man zu diesem wahrhaft zauberhaften Ort? Mozart, die Hausmaus, und Robinson, die Feldmaus, fackeln in Mozart und Robinson und der Zauber des Käsemonds nicht lange und bauen sich flink eine Rakete, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ist das nicht zu gefährlich? Ob sie es wohl in ihr Schlaraffenland schaffen?

Wunderbares, beim Magellan Verlag erschienenes Buch von Gundi Herget und Nikolai Renger für verregnete Nachmittage, an denen man nicht nur lesen, sondern auch etwas basteln möchte mit den Dreikäsehochs. Eine ausführliche Bastelanleitung für Mozart und Robinsons Käsemondrakete ist erfreulicherweise im Buch mit enthalten und weckt auch in den erwachsenen Vorlesern den Entdeckertrieb. Großartig gedacht!

Kecke Geschichte über Freundschaft, Neugier und Konfliktlösung für alle kleinen Abenteurer und Weltentdecker ab 3 Jahren.

Im Übrigen gibt es seit Juli 2017 nun ein weiteres Abenteuer von den beiden Mäusen: Mozart und Robinson und der gefährliche Schiffbruch. Kommt direkt auf meine Buchbestellliste für September!

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Frech und wild und…

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wunderbar. Man kann Pink nicht genug danken für die Inspiration und Stärke, die Sie als Mutter und Künstlerin an die nächste Generation junger Frauen vermittelt. Ein herzliches Thank you für die Dankesrede anlässlich der Verleihung des Michael Jackson Vanguard Music Awards bei den Video Music Awards 2017 letztes Wochenende. Waaas? Habt ihr euch noch nicht angeschaut? Na dann aber flott googlen und knappe 3 Minuten investieren!

Man kann es heutzutage nicht oft genug sagen, und offensichtlich nicht früh genug damit anfangen: all ihr kleinen Mädchen da draussen seid großartig, wunderbar einzigartig, stark und schön. Und lasst euch von NIEMANDEM auch nur ansatzweise etwas anderes erzählen. „Keep shining!“

Aus gegebenem Anlass also zum Start in den Tag ein Zitat von Pippi Langstrumpf-Schöpferin Astrid Lindgren, die vor über 70 Jahren ein ganz hervorragendes Vorbild für starke Mädchen schuf. Und als Vorschlag für alle Papas und Mamas da draußen: vielleicht heute als Gutenachtgeschichte mal wieder etwas aus Pippi Langstrumpfs oder gar Ronja Räubertochters Welt?

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Das Allerwichtigste, oder La cosa más importante

IMG_4084Was ist denn nun das Allerwichtigste? Eine auch von Erwachsenen viel gestellte, aber oft wenig zufriedenstellend beantwortete Frage. Deshalb gehen die Tiere in der modernen Fabel von Antonella Abbatiello diesem außerordentlich  komplizierten Anliegen auf den Grund.

Viele Tiere melden sich in dem (im Original auf italienisch erschienenen Werk) zu Wort und finden ganz unterschiedliche Merkmale relevant. Sie müssen verstehen lernen, dass z.B. starke Zähne für den Biber wichtig sind, aber eine Schildkröte nicht viel mit diesen riesigen Zähnen anfangen könnte.

Was für den Einen richtig und wichtig, ist für den Nächsten schon wieder unpassend. Individuelle Merkmale machen uns zu dem, was wir sind, und jeder kann mit seinen Stärken etwas zur Gemeinschaft beitragen oder anderen helfen. So lernen Kinder schon ganz früh, dass Vielfältigkeit nicht nur die natürlichste Sache der Welt ist, sondern auch etwas großartiges, wertvolles, das es zu erhalten gilt.

Das Allerwichtigste, in der Reihe Edition bi:libri erschienen, bietet sprachlich einen wunderbaren Ausgangspunkt, um auch Kinder aus einem nicht bilingualen Umfeld an andere Sprachen bzw. Mehrsprachigkeit heranzuführen. Wir haben die deutsch-spanische Version, d.h. der Text ist im Buch in eben diesen beiden Sprachen abgedruckt, jedoch sind viele weitere Varianten erhältlich.

Die beiliegende CD bietet die Erzählung auf Deutsch und in den sieben folgenden Sprachen an (egal, für welche zweisprachige Printausgabe man sich entscheidet): Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Türkisch, Russisch und Griechisch. Dadurch wird die Fabel nicht nur für sprachinteressierte Familien, sondern vor allem auch für Sprachförderkräfte in Kindergärten interessant.

Die Kinder hören den Tieren sehr gerne zu und freuen sich bei jedem erneuten Umblättern und Seitenaufklappen über die süßen, herzlich-fröhlichen Illustrationen. Diese kommen erfrischend witzig daher, und der Biber mit seinen Zähnen sowie die Schildkröte mit Rüssel sind der Hit! Die herrliche Vertonung steht den Illustrationen in nichts nach (wir lachen uns jedesmal beim kreischenden Vogel schlapp!), und Lori Lorenzen steuert eine eingängige Melodie der Marke Ohrwurm bei.

Sehr gelungen ist auch das zweisprachige, bebilderte Glossar (Kennst Du diese Tiere?/¿Conoces estos animales?) am Ende des Buches, in dem alle Tiere nochmal aufgelistet sind. Die CD bietet auch dazu eine Audiodatei, und so können in einer Art Quiz die Namen der Tiere nochmal wiederholt und nachgesprochen werden.

Erschienen im Hueber Verlag und empfohlen ab 3 Jahren, jedoch schon ab 2 ein sowohl erkenntnisreiches als auch vergnügliches Lese- und Hörerlebnis zum gemeinsamen Erfahren einer Vielzahl von Sprachen.

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Wir sollten alle mehr Papierkraniche basteln!

Vor einigen Tagen wurde mir dankenswertercover119609-mediumweise vom ALADIN Verlag über netgalley das Buch Sadako Ein Wunsch aus tausend Kranichen zur Verfügung gestellt.
Johanna Hohnhold orientiert sich in Grundzügen an dem Schicksal eines kleinen japanischen Mädchens, das den Atombombenangriff auf Hiroshima als Zweijährige überlebte und Jahre später an Leukämie erkrankte.

In Verbindung mit den zarten, unaufdringlichen aber extrem ausdrucksstarken Illustrationen aus Gerda Raidts Feder gelingt den beiden ein beeindruckendes Meisterstück der Kinder- und Jugendliteratur.

 

Die Autorin fesselt mit einem tollen, lebendigen Erzähleinstieg in der Schulkantine, mit Sadakos Abneigung gegen Edamames und wenig später ihrer Nominierung für das Staffelteam der Schule. Hohnhold hält das Tempo und die Spannung der Geschichte durch ihren lebendigen Stil bis zum Schluss und macht jede Zeile ihres Buches lesenswert. Es bleibt mir als eine recht stille, jedoch auch unglaublich gewaltige Erzählung in Erinnerung,  wahnsinnig traurig und anrührend. Seite um Seite fiebert man mit, ob es der kleinen Titelheldin wohl gelingen wird die tausend Kraniche zu basteln.
Inspirierend, fesselnd und aufwühlend zugleich.

Es ist nun schon fast zwei Wochen her, dass ich dieses Buch gelesen habe, aber Sadakos Geschichte bleibt präsent. Immer wieder verwundert mich das schnelle Vergessen des generationenübergreifenden Grauens, welches von ‚Little Boy‘ über Hiroshima und ‚Fat Man‘ über Nagasaki angerichtet wurde. Man fragt sich, besonders auch nach der Lektüre eines solch rundum berührenden Buches, ob so manchen aktuellen Politikern auf der Weltbühne die Zukunft auch ihrer eigenen Kinder so wenig wert ist, dass man ernsthaft Angriffe mit Atomwaffen wieder in Erwägung zieht. Hohnhold liefert mit ihrer Umsetzung von Sadakos Geschichte das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt, um nicht nur Kinder für die Schrecken eines Atomkrieges zu sensibilisieren, sondern vor allem auch, um Erwachsene in ihrer aktuellen Komfortzone wachzurütteln. Wir sollten alle mehr Papierkraniche basteln.

Für Leser, die mit der japanischen Kultur nicht sehr vertraut sind, bietet die Autorin ein sehr hilfreiches Glossar an. Ganz wunderbar finde ich die Bastelanleitung für Sadakos Friedenskraniche, und die Anregung selbstgebastelte Kranich-Friedensketten an das Denkmal für den Weltkinderfrieden in Erinnerung an Sadako Sasaki in Hiroshima zu schicken. Eine wirklich herrliche Idee.

Ich möchte noch eine meiner Lieblingsstellen im Buch mit euch teilen:

»Schau mal, ich schenke dir meine Blume, deine hat beim Sturz einen Knick abbekommen.« Der Mann überreichte Eiji eine rote Rose, rückte mit der anderen Hand seinen Hut zurecht und verbeugte sich vor den beiden Kindern. »Es wird eure Aufgabe sein und die eurer Kinder, dass die Welt in Frieden zusammenlebt. Sei tapfer, kleiner Mann. Denn Tapferkeit werdet ihr brauchen.« Dann wandte er sich Sadako zu und sagte: »Pass gut auf deinen kleinen Bruder auf.«

Ein trauriges, jedoch auch bezauberndes und inspirierendes Buch übers Wünschen und den Verzicht, sowie den generellen Wunsch nach Weltfrieden. Bravo!

Erscheint am 31.08.2017 und wirklich alle ab 10 Jahren –insbesondere aber auch Erwachsene –sollten dieses ergreifende Buch lesen,  denn aktueller könnte der Bezug eines Kinderbuches nun –wenn auch erschreckenderweise– nicht sein.